Liquidity Pools in der Praxis: Impermanent Loss ist kein Kleingedrucktes
Wie automatisierte Marktplätze funktionieren, was Impermanent Loss konkret kostet und für wen sich Liquidity Providing rechnet.
2 Min. Lesezeit
Dezentrale Börsen funktionieren ohne Orderbuch: Ein Liquidity Pool hält zwei Vermögenswerte, eine Formel bestimmt den Preis, und wer Liquidität bereitstellt, verdient an den Handelsgebühren. So weit die Broschüre. Die Praxis hat eine Fußnote, die über Gewinn und Verlust entscheidet.
Das Prinzip in einer Minute
Ein Pool aus ETH und einem Stablecoin gleicht sich bei jedem Trade neu aus. Steigt ETH, kaufen Arbitrageure dem Pool ETH ab, bis der Poolpreis dem Marktpreis entspricht. Liquiditätsgeber halten danach automatisch weniger vom Gewinner und mehr vom Verlierer.
Impermanent Loss, konkret beziffert
Die Differenz zwischen „im Pool halten" und „einfach halten" heißt Impermanent Loss. Die Größenordnungen sollte man auswendig kennen:
Kursänderung eines Assets · Verlust vs. Halten
- ±25 % — ≈ 0,6 %
- ±50 % — ≈ 2,0 %
- Verdopplung — ≈ 5,7 %
- Vervierfachung — ≈ 20,0 %
Die Gebühren müssen diesen Verlust erst einmal verdienen, bevor Rendite übrig bleibt. Bei volatilen Paaren gelingt das oft nicht.
Wann sich Liquidity Providing rechnet
Drei Konstellationen funktionieren strukturell:
- Stablecoin-Paare — kaum Preisdivergenz, also kaum Impermanent Loss. Die Gebühren sind klein, aber fast reiner Ertrag.
- Korrelierte Paare — zwei Assets, die sich weitgehend im Gleichlauf bewegen, begrenzen die Divergenz.
- Hohe Handelsvolumina auf engen Preisbereichen — konzentrierte Liquidität multipliziert die Gebühren, verlangt aber aktives Management.
Das ehrliche Fazit
Liquidity Providing ist ein Geschäftsmodell, kein passiver Zins: Man verkauft dem Markt eine Dienstleistung und trägt dafür ein messbares Risiko. Wer die Tabelle oben kennt, kann es kalkulieren. Wer sie nicht kennt, subventioniert die, die sie kennen.
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.