Zum Inhalt springen
DefiUniverse

Basic: Funding Rate - Delta Neutrale profitabel sein.

Der Text erläutert den Mechanismus der Funding Rate bei Perpetuals und zeigt, wie delta-neutrale Strategien Rendite erwirtschaften. Dabei werden auch Kosten, Hebelwirkung und Risiken einbezogen.

4 Min. Lesezeit

Die Funding Rate ermöglicht Renditen unabhängig von der Kursrichtung eines Kryptoassets. Dieser Mechanismus entsteht immer dann, wenn mit sogenannten Perpetuals (Perps) gehandelt wird. Während der Spot-Preis eines Tokens den echten, physischen Wert darstellt – quasi das Halten des eigentlichen Coins –, ist ein Perp ein Vertrag, der es Händlern ermöglicht, kapitaleffizienter zu handeln. Da diese beiden Preise, Spot und Perp, nicht immer identisch sind, kommt die Funding Rate ins Spiel. Ihre Aufgabe ist es, als Anker zu wirken und den Perp-Preis immer wieder an den Spot-Preis heranzuführen.

Der Mechanismus hinter der Funding Rate

Wenn der Perp-Preis über dem Spot-Preis liegt, entsteht eine positive Funding Rate. In diesem Szenario zahlen diejenigen, die auf steigende Kurse setzen (Longs), an diejenigen, die auf fallende Kurse setzen (Shorts). Liegt der Spot-Preis hingegen über dem Perp-Preis, wird die Funding Rate negativ und die Shorts müssen an die Longs zahlen. Da in der Regel mehr Marktteilnehmer long positioniert sind, ist die Funding Rate mehrheitlich positiv. Dieses Ungleichgewicht ist die Grundlage für strategische Ansätze: Anstatt auf den Preis zu spekulieren, wird gezielt die Funding Rate abgesahnt, indem man sich auf die Seite begibt, die von der Mehrheit bezahlt wird.

Die Mathematik der Auszahlungen

Die Funding Rate wird in der Regel annualisiert, also auf ein Jahr hochgerechnet, angegeben. Beträgt die Rate beispielsweise 10,95 Prozent im Jahr, lässt sich dies auf eine Positionsgröße von 10.000 Dollar herunterrechnen. Über ein ganzes Jahr betrachtet würde dies 1.095 Dollar einbringen. Teilt man diesen Jahresbetrag durch 365 Tage, ergibt sich ein täglicher Ertrag von 3 Dollar. Die Frequenz der Auszahlungen variiert je nach Plattform. Bei Extended erfolgt die Abrechnung alle acht Stunden, was drei Auszahlungen pro Tag bedeutet – in diesem Fall 1 Dollar pro Auszahlung. Bei Hyperliquid wird stündlich abgerechnet, hier fließen 0,125 Dollar pro Stunde. Unabhängig vom Rhythmus bleibt der Tagesertrag jedoch gleich.

Cashflow-Verlauf der Position über eine Funding-Periode

Delta-Neutralität und Kapitaleffizienz

Um das Risiko von Kursschwankungen auszublenden, werden Positionen oft delta-neutral aufgebaut. Eine einfache Variante ist der gleichzeitige Kauf eines Spot-Tokens (Long) und der Aufbau einer Short-Position im Perp. Der Spot hat keine Funding Rate, während auf der Perp-Seite bei einer positiven Rate die Auszahlungen kassiert werden. Setzt man auf beiden Seiten jeweils 10.000 Dollar ein, also 20.000 Dollar Gesamtkapital, halbiert sich die prozentuale Rendite auf das eingesetzte Gesamtkapital auf 5,5 Prozent.

Noch effizienter wird es, wenn der Spot-Token gleichzeitig gestaket wird. Bei 11 Prozent Funding Rate auf der Short-Seite und 3 Prozent Staking-Rendite auf der Long-Seite ergibt sich ein Durchschnitt von 7 Prozent Rendite auf die Positionsgröße. Alternativ lässt sich auch eine Perp-Perp-Strategie fahren, bei der man theoretisch auf beiden Seiten Funding Rates kassieren kann, wenn das Marktsentiment es zulässt.

Kosten, Break-Even und Hebelwirkung

Beim Aufbau solcher Positionen fallen Kosten wie Trading-Gebühren und der Spread an. Liegen die Einstiegskosten bei etwa 0,24 Prozent und der tägliche Funding-Ertrag bei 0,03 Prozent, dauert es acht Tage, bis die Kosten wieder eingespielt sind und die Position ins Plus dreht. Bei einem ungünstigen Einstieg kann dies bis zu 15 Tage dauern. Nach Abzug dieser Kosten bleibt von einer Bruttorendite von 11 Prozent eine Netto-Rendite von etwa 8 Prozent auf ein Bein bezogen. Bei einer delta-neutralen Position mit zwei Beinen (insgesamt 20.000 Dollar Kapital) bleibt nach 30 Tagen ein ROI von etwa 4 Prozent übrig.

Um die Kapitaleffizienz weiter zu steigern, kommt ein Hebel ins Spiel. Bei einem 1er-Hebel müssen pro Seite 10.000 Dollar hinterlegt werden. Bei einem 2er-Hebel genügen 5.000 Dollar Margin für eine 10.000-Dollar-Position. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital steigt dadurch auf 22 Prozent. In der Praxis bewegt man sich meist im Bereich zwischen 1er und 2er-Hebel, um die Liquidationsgrenze in einem sicheren Rahmen zu halten.

Vergleich des ROI bei unterschiedlichem Kapitalaufwand durch Hebelwirkung

Dynamiken und Risiken

Funding Rates sind nicht statisch. Sie können in einem bärischen Jahr ins Negative kippen. Dann wird man vom Empfänger zum Zahler. Laut Hyperliquid und Lighter liegen die Durchschnittswerte über ein Jahr oft im positiven Bereich, wie etwa 10,8 Prozent bei Hyperliquid oder 9 Prozent bei Lighter. Die extremen Ausschläge der Funding Rate spiegeln dabei das aktuelle Marktsentiment wider: Je extremer die Rate, desto extremer die Positionierung der Trader. Neben dem Risiko, dass die Raten drehen, birgt der Einsatz von Hebeln ein Liquidationsrisiko, und die Nutzung von zwei verschiedenen Plattformen für eine delta-neutrale Position bringt ein doppeltes Plattform-Risiko mit sich.

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageberatung dar. Krypto-Investitionen und der Einsatz von Hebelprodukten sind mit erheblichen Risiken verbunden.