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Bitcoin im Nasdaq-Vergleich und die Frage nach dem Zyklus-Tief

Bitcoin notiert knapp über einem wichtigen Support bei rund 76.000 US-Dollar. Im Vergleich zum Nasdaq entspricht die Korrektur von 62 Prozent fast exakt den früheren Zyklen – bricht der Kurs über 82.000 US-Dollar aus, wäre die Bodenbildung im aktuellen Zyklus womöglich bereits abgeschlossen.

8 Min. Lesezeit

Bitcoin hat sich über das Wochenende bei knapp 78.000 US-Dollar stabilisiert, doch die Ruhe trügt. Der Kurs bewegt sich unmittelbar über einem entscheidenden Support-Bereich, und die Frage der Woche lautet: Hält diese Zone, oder steht der Markt vor einer weiteren, deutlichen Abwärtsbewegung? Gleichzeitig gibt es eine Chart-Perspektive, die kaum jemand im Blick hat und die das Bild vom aktuellen Bärenmarkt möglicherweise komplett verändert.

Die spannende These: Bitcoin im Vergleich zum Nasdaq

Die meisten Anleger bewerten die Bitcoin-Korrektur ausschließlich gegen den US-Dollar. Aus dieser Sicht sind wir knapp 54 Prozent vom Hoch korrigiert, ein Wert, der auf den ersten Blick heftig wirkt. Doch diese Betrachtung ignoriert einen wichtigen Kontext: Der Nasdaq hat in den letzten Monaten wegen des KI-Sektors eine starke Aufwärtsrallye gesehen. Der Tech-Index ist die ganze Zeit nur nach oben gelaufen, deutlich stärker, als viele für möglich gehalten hätten.

Setzt man Bitcoin nun ins Verhältnis zum Nasdaq, ergibt sich ein völlig anderes Bild: Mit knapp minus 62 Prozent passt die aktuelle Korrektur fast perfekt ins historische Muster der vergangenen Zyklen. 2018 lag der Rücksetzer im Nasdaq-Vergleich bei minus 76 Prozent, 2022 bei minus 69 Prozent, jetzt bei minus 62 Prozent. Die Korrekturtiefe nimmt also von Zyklus zu Zyklus ab.

Bitcoin-Korrekturtiefe im Nasdaq-Vergleich über die Zyklen 2018, 2022 und 2026

Noch deutlicher wird es auf dem Langfristchart: Nach dem Bärenmarkt-Tief 2018/2019 folgte eine Korrektur von 75 Prozent vom Top bis zum untersten Tief. Nach dem nächsten Zyklus-Top waren es 68 Prozent; der Bärenmarkt endete mit dem FTX-Crash, danach ging es wieder nach oben. Vom aktuellen Top bis zum jetzigen Tief sind es 62,2 Prozent. Wenn man diese Reihe betrachtet, ist die Bodenbildung im Nasdaq-Vergleich eigentlich bereits angelegt.

Es gibt allerdings eine entscheidende Bedingung: Bitcoin muss über die 82.000 US-Dollar kommen, und zwar zügig. Solange das nicht passiert, bleibt die These eine These.

Geopolitik treibt den Ölpreis

Während Bitcoin kämpft, eskaliert die Lage im Nahen Osten weiter. Das US-Militär hat zwei iranische Raketenwerfer auf der Insel Darag aus der Luft angegriffen. Iranischen Berichten zufolge wurden dabei zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt. Die iranische Revolutionsgarden kündigte an, der Angriff werde nicht unbeantwortet bleiben.

Daraufhin postete Donald Trump ein mit KI erstelltes Video mit der Botschaft, die Insel Krak Island werde in Stücke geblasen. Das ist strategisch brisant: Iran exportiert 1,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag über genau diese eine Insel, das sind mehr als 90 Prozent der gesamten Rohölexporte des Landes. Nur wenige Tage zuvor hatte sich Trump die Rohölbestände in Venezuela gesichert, faktisch der größte Deal dieser Art in der Geschichte. Und nun wird ausgerechnet die Insel bombardiert, über die der Iran seine Ölexporte abwickelt. Zufall oder Absicht, sei dahingestellt.

Die Reaktion am Markt ließ nicht lange auf sich warten: Der Ölpreis ist von 90 auf 92,6 Dollar pro Barrel nach oben geschossen. Für Trader, die auch Rohöl im Blick haben, bleibt das ein zentraler Faktor.

Michael Saylor ist zurück – im Profit

Michael Saylor hat mit „we are back" seine Rückkehr angekündigt, und das nicht zu Unrecht. Nach Schätzungen sitzt er nun mit rund 2,6 bis 2,8 Milliarden Dollar im Profit. Davor war er die ganze Zeit im Minus und hatte in der Tiefe sogar einige Bitcoin verkauft. Viele haben sich darüber lustig gemacht, doch der Verkauf war notwendig: Er musste damit sein STRC stabilisieren und den Aktionären und Investoren signalisieren, dass genügend Cash vorhanden ist, um die Renditen zu bedienen.

Die eigentliche Lektion: Bei Bitcoin zählen Zeit und Geduld. Kurzfristige Chart-Bewegungen, selbst ein ganzer Monat nach unten, sollten die langfristige Perspektive nicht trüben. Bisher ist Bitcoin über jeden Mehrjahreszeitraum gestiegen.

Liquidierungen und Liquidität: Wo liegt das Geld?

Am Wochenende hat sich bei Bitcoin nicht allzu viel getan, nachdem es am Freitag noch einmal nach unten gedippt hat. Der Fear & Greed Index liegt bei 61 Punkten und ist entsprechend zurückgegangen. In den letzten 24 Stunden wurden knapp 286 Millionen Dollar an Long-Positionen liquidiert, insgesamt 414 Millionen Dollar, davon 127 Millionen an Shorts. Für einen ruhigen Montag ist das bereits relativ viel, vor allem in der Nacht war es volatil.

Auf dem Drei-Tages-Chart wird die Liquiditätslage richtig interessant: Unter dem aktuellen Kurs liegt noch deutlich mehr Liquidität als darüber. Allein bei 76.450 US-Dollar warten 241 Millionen Dollar an Positionen, die dort liquidiert werden könnten. Auf dem Wochenchart bestätigt sich das Bild: Das meiste liegt weiterhin unter uns bei knapp 76.000 US-Dollar. Über uns wird es erst ab 80.000 Dollar wieder relevant.

Liquiditätsverteilung über und unter dem aktuellen Bitcoin-Kurs mit markanten Liquidierungsclustern

Die Logik dahinter ist einfach: Hält Bitcoin die aktuelle Zone, ist heute ein Anlauf Richtung 80.000 Dollar, zumindest Richtung des Hochs bei knapp 79.200, wahrscheinlich. Fällt der Kurs hingegen unter den Support, dürfte der gesamte Liquidierungsblock darunter abgeholt werden.

Die Chartlage: Ein Double Top droht

Auf dem 4-Stunden-Chart wurde der WIG, also die Wick-Zone der letzten Kerzen, komplett abgeholt, und es gab sogar einen kleinen Ausbruch nach oben. Die Fortsetzung des Trendkanals blieb damit intakt, man könnte fast von einer Bärfalle sprechen. Doch jetzt kippt die Stimmung: Kommt Bitcoin heute nicht zügig über die Marke von 78.000 bis 79.000 US-Dollar, droht auf den größeren und mittelfristigen Zeiteinheiten ein Double Top. Theoretisch lässt sich die Struktur auch als hässliches Head-and-Shoulders-Pattern lesen: Schulter, Kopf, Schulter, dann der Abverkauf nach unten.

Wird das aktuelle Tief durchbrochen, geht es mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Zone von 75.700 bis 75.600 US-Dollar. Von dort aus wäre eine weitere Korrektur von 2.000 bis 2.500 Dollar einzupreisen, die den Kurs Richtung 73.000 US-Dollar bringen könnte, in etwa bis in die kleine Konsolidierung bei 73.500. Auf dem 4-Stunden-Chart zeichnet sich zudem langsam ein Round-Top ab. Invalide wird dieses Szenario nur, wenn Bitcoin nach oben ausbricht, vorher nicht.

Die Indikatoren geben derzeit wenig Richtung vor: Der MACD hat fast ein bärisches Cross gesehen, die Signallinie und die Durchschnittslinie laufen nahezu Punkt auf Punkt. Das bärische Momentum hat stark abgenommen, etwas Erholung kommt wieder rein. Der RSI liegt bei 47,5 Punkten, also genau in der Mitte, weder überkauft noch überverkauft.

Die entscheidenden Marken im Detail

Interessant wird es bei den gleitenden Durchschnitten: Das 13er Daily EMA liegt bei rund 76.000 US-Dollar, direkt in der Zone mit weiteren Liquiditätsclustern. Noch spannender ist das 200er Daily EMA bei 72.300 Dollar: Exakt in diesem Bereich liegt das Tief eines früheren WIG bei 72.389 US-Dollar. Wenn ein gleitender Durchschnitt und ein früheres Kerzentief derart zusammenfallen, liegt dort ein starker Support.

Für den Handel am aktuellen Tag gilt: Bitcoin kämpft seit einer Dreiviertelstunde mit dem 50er EMA auf dem Stundenchart. Der WeWeb vom 20. August um 10 Uhr hält den Kurs weiterhin auf Spur. Bei einem Ausbruch über das 50er EMA im Stundenchart, gefolgt von einem sauberen Retest, der zugleich das Hoch bei 78.000 US-Dollar auf der linken Seite bestätigen würde, ergibt sich ein klares Long-Setup mit Stop Loss unter dem wichtigen EMA und VWAP. Weekly Web und Daily Open liegen beide unter uns, die Vektor-Kerze auf dem 15-Minuten-Chart wurde zur Hälfte abgeholt und gilt damit als erledigt.

Für Shorts gilt das Spiegelbildliche: Erst wenn der Kurs unter das 50er EMA fällt, den kurzen Support andeutet und dann den Retest nach unten bestätigt, wird das Setup relevant. Die Devise lautet: Support und Widerstand einzeichnen, dann Ausbruch und Retest abwarten. In der aktuellen Marktphase reicht Geduld. Erst einsteigen, wenn das Setup tatsächlich da ist.

Ethereum, Solana und XRP im Einzelbild

Ethereum konnte seinen kleinen Aufwärtstrend nicht bestätigen. Am Sonntagabend wurde der Kurs zunächst stark nach oben gepumpt, eine typische Market-Maker-Bewegung gegen 20 Uhr, um Anleger in Positionen zu drücken, bevor der Kurs in die Gegenrichtung gedreht wurde. Jetzt wird es knifflig: Ethereum kommt nicht über den Widerstand, macht aber laufend weitere Tiefs. Technisch gesehen ist der Kurs damit auf dem Weg in einen Abwärtstrend. Bestätigt sich das, ist eine Korrektur auf knappe 2.274 US-Dollar vorstellbar, alles natürlich abhängig davon, was Bitcoin macht.

Solana hat zunächst stark performt, wurde dann aber ebenfalls kräftig abverkauft, während die Altcoins insgesamt geblutet haben. Der Aufwärtstrend hält noch, und das 50er EMA auf dem Stundenchart ist die entscheidende Marke. Scheitert der Kurs dort, droht eine Short Confirmation, und dann dürften Solana und diverse Altcoins weiter nach unten gehen, insbesondere wenn Bitcoin den beschriebenen Move nach unten einleitet.

XRP sieht statistisch derzeit am schlechtesten aus: Ein klarer Abwärtstrend, über den der Kurs momentan nicht hinauskommt. Interessant ist das Monthly Rebap bei 1,29 US-Dollar, dort würde XRP ungefähr die Hälfte der großen vorangegangenen Bewegung abholen. Solche 50-Prozent-Retracements gelten unter Tradern als interessante Zonen für neue Long-Positionen oder Nachkäufe.

Was diese Woche entscheidet

Die Ausgangslage ist klar: Bitcoin muss heute über 79.200 US-Dollar, um die bärischen Szenarien zu entkräften. Gelingt das nicht, ist mit einem Bruch des Supports und einer Bewegung Richtung 75.600, im Extremfall bis 73.000 US-Dollar, zu rechnen. Auf der Tageschart-Ebene ist der Kurs noch auf Kurs, aber er muss jetzt rauspushen. Eine kleine Korrektur wäre dabei nicht Hals- und Beinbruch, nach der bisherigen Entwicklung wäre sie sogar überfällig.

Und dann wäre da noch die 82.000-Marke. Kommt Bitcoin zeitnah darüber, dann gewinnt die Nasdaq-These massiv an Gewicht, und mit ihr die Aussicht, dass die Bodenbildung im aktuellen Zyklus bereits stattgefunden hat.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine individuelle Anlageberatung dar. Krypto-Assets sind hochvolatil, Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko.