Bitcoin-Korrektur vor der Fed-Entscheidung und das kritische Support-Level
Bitcoin korrigiert nach wochenlangem Anstieg erstmals spürbar. Der Artikel analysiert Makrolage, Liquidierungsdaten und technische Struktur und identifiziert 75.580 US-Dollar als entscheidendes Support-Level.
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Nach wochenlangem steilen Anstieg strauchelt der Bitcoin-Kurs erstmals wieder spürbar. Die Frage, die sich nun jeder stellt: Ist das der Beginn einer größeren Korrektur Richtung 60.000 US-Dollar – oder merely eine gesunde Abkühlung in einem intakten Aufwärtstrend, die später sogar als Long-Bestätigung dienen könnte? Ein Blick auf die Makrolage, die Liquidierungsdaten und die technische Struktur zeigt: Entscheidend wird ein ganz bestimmtes Preisniveau.
Die Makrolage: Powell lässt die Tür für eine Zinserhöhung weit offen
Der Auslöser der Schwäche liegt weniger im Krypto-Markt selbst als in der Geldpolitik. In seiner jüngsten Rede hat Fed-Chef Powell zwar keine direkte Zinserhöhung angekündigt, aber auch nichts ausgeschlossen. Konkret bedeutete das: Es gibt keinen konkreten Zeitplan für weitere Schritte, und die Finanzbedingungen sind kaum restriktiv. Powell bekräftigte das 2-Prozent-Inflationsziel – trotz besserer Sommerdaten habe sich der Inflationstrend nicht entscheidend verbessert. Der entscheidende Satz war die klare Warnung: Bewegt sich die Inflation nicht schnell genug Richtung 2 Prozent, habe die Fed noch Arbeit zu erledigen.
Für Bitcoin und Aktien ist das insgesamt ein leicht bärisches Signal – und genau das hat der Markt auch eingepreist. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung beim nächsten Zinsentscheid am 16. September ist auf 57 Prozent geklettert. Ein wichtiger Support wurde bereits durchbrochen.
Der Yen-Carry-Trade: ein Schwelbrand im Hintergrund
Ein weiterer Faktor, der den Weltmarkt belastet, ist der japanische Yen. Seit dem 31. Juli schwächelt die Währung auf 160 Yen pro Dollar – trotz eines Rekord-Eingriffs Japans von 96 Milliarden Dollar zur Stabilisierung. Der Eingriff stärkte den Yen zwar kurzfristig auf etwa 155 pro Dollar, doch fiskalische Bedenken und die sichere-Hafen-Nachfrage nach dem Dollar haben die meisten Gewinne zunichte gemacht.
Die Märkte preisen inzwischen eine 82-prozentige Chance auf eine Zinserhöhung im September ein. Historisch hat genau dieses Szenario – eine überraschende Straffung – schon einmal dazu geführt, dass sowohl der Krypto-Markt als auch der traditionelle Markt innerhalb weniger Stunden um 10 bis 15 Prozent einbrachen. Dieses Risiko sollte man bei der Positionierung einpreisen.
Venezuela-Deal und der Ölmarkt
Nebenbei hat die USA in der Nacht den laut eigenen Angaben größten Öldeal der Weltgeschichte mit Venezuela verkündet: Die USA sichern sich demnach die Mehrheitskontrolle über mehr als 65 Milliarden Barrel venezolanisches Öl – ohne Kosten für die amerikanischen Steuerzahler. Dadurch sollen die Ölreserven mehr als verdoppelt und der Benzinpreis deutlich gesenkt werden. Vor dem Hintergrund der Spannungen um die Straße von Hormuz sichert der Deal Zugang zu alternativen Ölquellen.
Liquidierungen: Der große Block unter dem aktuellen Kurs
In den vergangenen 24 Stunden wurden rund 400 Millionen Dollar liquidiert – davon 332 Millionen auf der Long-Seite und 76 Millionen auf der Short-Seite. Angesichts der durchweg bullishen Stimmung ist das noch ein völlig normaler Wert.
Interessanter ist die Liquidierungs-Heatmap: Bis hinunter zu 75.800 US-Dollar liegt ein großer Block an Long-Liquidierungen. Bei 76.000 Dollar warten etwa 481 Millionen Dollar, bei 75.900 rund 439 Millionen und bei 75.850 nochmals 437 Millionen. Auch die Orderbücher zeigen unterhalb des Kurses satte Liquidität: 834 Coins bei 75.000 Dollar, 500 Coins bei 76.100. Stand heute ist daher gut vorstellbar, dass es am Wochenende – wenn die Orderbücher ohnehin dünn gefüllt sind – noch einen kleinen Liquidation Hunt nach unten gibt, um genau diesen Block abzuholen, bevor sich der Markt zu Wochenbeginn wieder stabilisiert.
Die technische Analyse: Fibonacci, Retest und das entscheidende Level
Auf dem Tageschart hat die Korrektur genau beim 0,236er Fibonacci-Level ihren ersten Support gefunden. Die weiteren relevanten Marken darunter: das 0,382er Level bei knapp 74.325 Dollar, das 0,5er Level und schließlich die Golden Pocket mit dem 0,618er und 0,65er Level. Ein Supportbereich, der mit dem 0,382er zusammenfällt, könnte in den kommenden Tagen und Wochen noch einmal von unten bestätigt werden.
Auf dem 4-Stunden-Chart wurde der Aufwärtstrendkanal nach unten durchbrochen. Nach einem solchen Ausbruch ist typischerweise ein Retest zu erwarten, bevor es weiter nach unten geht – ein solcher Retest läge bei etwa 79.150 Dollar, also rund 1.700 Dollar über dem aktuellen Niveau. Erst ein solcher Retest mit anschließender Short-Bestätigung würde tiefere Preise wahrscheinlicher machen.
Die Indikatoren kühlen derweil spürbar ab: Der MACD verliert an Dynamik, der RSI ist auf 42 Punkte zurückgefallen. Genau das ist das Szenario, das man in einer überhitzten Aufwärtsbewegung sehen will – der Chart korrigiert und kühlt die Indikatoren auf allen Zeiteinheiten einmal komplett ab.
Das entscheidende Level: 75.580 US-Dollar. Solange Bitcoin mittelfristig bis langfristig nicht unter diese Marke fällt, ist davon auszugehen, dass sich der Kurs stabilisiert und in eine Seitwärtsphase übergeht. Eine solche Seitwärtsphase hat es bereits gegeben – und aus ihr sind damals sehr starke Breakouts hervorgegangen, ohne dass die wichtigen Tiefs gebrochen wurden. Damals bildete sich sogar ein doppelter Boden, bevor es nach oben ging. Ein ähnliches Szenario ist gut vorstellbar.
Auf dem Stundenchart hängt der Kurs derzeit sowohl auf dem VWAP als auch auf dem Point of Control der letzten Seitwärtsphase. Gleichzeitig formt sich eine Descending Struktur – ein bärisches Continuation Pattern, das eine weitere Etage nach unten wahrscheinlich macht. Das technische Preisziel liegt bei etwa 76.300 Dollar, dem 50er EMA auf dem 4-Stunden-Chart.
Die Psychologie: Nicht jedes Top shorten
Wer in den letzten Tagen jeden Anstieg shorten wollte, wurde wiederholt rausliquidiert. In einem starken Aufwärtstrend bringt es nichts, ständig gegen den Trend zu kämpfen und zu hoffen, dass es schon fallen wird. Stattdessen gilt es, geduldig auf das Zeichen des Charts zu warten – und sich nicht von Social Media beeinflussen zu lassen, wo viele zu voreiligen Short-Positionen gedrängt haben.
Genau ein solches Zeichen gab es dann auf dem 1-Stunden-Chart: Der Kurs kam nicht über ein lokales Hoch hinaus, es bildete sich eine bärische Engulfing-Kerze, der Stop-Loss ließ sich sauber setzen – und der Kurs fiel anschließend knapp 3.000 Dollar beziehungsweise 3,81 Prozent. Wer auf das Setup gewartet hat, konnte die Bewegung mitnehmen. Für einen Trader ist es dabei egal, ob es nach oben oder unten geht: Neben einer offenen Long-Swing-Position lassen sich solche volatilen Bewegungen separat handeln.
Altcoins: Solana stark, Ethereum und XRP unter Druck
Die Altcoins orientieren sich naturgemäß an Bitcoin. Ethereum hat seinen Aufwärtstrend ebenfalls durchbrochen und ist auf das 50er EMA zurückgefallen. XRP ist aus seiner bullischen Struktur rausgefallen und findet zunächst Support bei 1,37 Dollar – hält dieser nicht, ist das Monats-VWAP die nächste zu beobachtende Marke.
Solana sticht hervor: Der Aufwärtstrend ist noch intakt, der Coin notiert in einer sehr starken Flag beziehungsweise Seitwärtsphase an den Hochs. Hype hat unterdessen das getan, was Hype-Coins eben tun: erst ein neues Allzeithoch in dieser Woche, dann ein Rücksetzer unter Verlust des Aufwärtstrends – allerdings perfekt auf dem 50er EMA gelandet und bereits im Retest. Interessant wäre hier ein Rücklauf auf das Monats-VWAP, das Level für größere Positionen.
Ein kleiner Rücksetzer ist wahrscheinlich – aber das ist nicht das Signal für einen Crash auf 68.000, 65.000 oder gar 40.000 Dollar. Solche Prognosen kursieren zwar, doch ein Absturz dieser Größenordnung innerhalb weniger Tage würde die gesamte Struktur zerstören und weitere Verluste Richtung 55.000 bis 58.000 Dollar nach sich ziehen. Davon ist derzeit nicht auszugehen.
Realistischer ist folgendes Szenario: Am Wochenende sind die Orderbücher traditionell schwach gefüllt, die Marketmaker benötigen weniger Kapital, um den Kurs zu beeinflussen. Ein kleiner Dip nach unten, der abgeholt und wieder aufgekauft wird, wäre keine Überraschung – gefolgt von einer Stabilisierung zu Wochenbeginn. Der Fear and Greed Index liegt bei 67 Punkten (zuvor 72) – die Stimmung kühlt ab, ist aber weit von Panik entfernt.
Kurz gesagt: Die Korrektur ist bisher gesund, die Indikatoren kühlen ab, und unter dem Kurs liegen große Liquiditätsblöcke. Erst ein nachhaltiger Bruch von 75.580 Dollar würde das Bild deutlich düsterer machen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine individuelle Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind hochriskante Anlagen – entscheidungen über Käufe, Verkäufe oder Derivate-Positionen solltest du nur nach eigener Recherche und im Zweifel mit professioneller Beratung treffen.