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Delta-neutrales PerpDex-Farming

Der Artikel erklärt die Grundlagen und Umsetzung einer delta-neutralen Farming-Strategie auf Perpetual Decentralized Exchanges. Er behandelt das Spread-Management über Limit Orders sowie die Funktionsweise von Funding-Raten.

5 Min. Lesezeit

Überblick

Die Strategie des PerpDex Farmings soll marktrisikofreie (delta-neutrale) Positionen auf Perpetual Decentralized Exchanges (PerpDexen) aufbauen. Der Gewinn entsteht durch Funding-Raten (Finanzierungsraten) und den gezielten Einstieg und Ausstieg mit einem Spread-Vorteil („Buy Low, Sell High“), nicht durch Kursbewegungen des Basiswerts.

Grundkonzept: Long, Short und Delta-Neutralität

  1. Nur-Long-Position: Kauf bei 10 USD, Verkauf bei 20 USD. Gewinn = 1.000 Token * 10 USD Preisdifferenz = 1.000 USD.
  2. Nur-Short-Position: Verkauf bei 20 USD, Rückkauf bei 10 USD. Gewinn = 1.000 Token * 10 USD Preisdifferenz = 1.000 USD.
  3. Delta-neutrale Position: Ein Long-Kauf und ein Short-Verkauf werden gleichzeitig aufgebaut. Die Kursgewinne der einen Seite gleichen die Kursverluste der anderen Seite aus. Der Netto-Kursgewinn/-verlust ist 0. Übrig bleiben die Funding-Raten und Punkte.

- Steigt der Kurs von 10 auf 20 USD, macht die Long-Position 10.000 USD Plus und die Short-Position 10.000 USD Minus. Fällt der Kurs auf 1 USD, macht die Short-Position 9.000 USD Plus, die Long-Position 9.000 USD Minus. Das Saldo ist in beiden Fällen null.

Gegenüberstellung von Long-, Short- und delta-neutraler Position bei Kursanstieg und Kursfall

Einstiegs- und Ausstiegskosten (Spread-Management)

Beim Öffnen und Schließen der Position entstehen durch Preisdifferenzen zwischen Kauf- und Verkaufsseite Kosten oder Gewinne. Ziel ist es, den Spread positiv zu gestalten („Buy Low, Sell High“). Die Berechnungen beziehen sich auf einen Einsatz von 20.000 USD (10.000 USD Long, 10.000 USD Short) bzw. 1.000 Token.

  1. Negativbeispiel (Schlechter Einstieg):

- Kauf zu 10,06 USD, Verkauf zu 10,00 USD. - Differenz: -0,06 USD. Verlust bei 1.000 Token: -60 USD. - Wenn die Funding-Raten ins Minus drehen (z.B. -2 USD pro Tag), entsteht ein Gesamtverlust, obwohl Punkte gesammelt werden.

  1. Breakeven-Beispiel (Kosten müssen durch Fundings gedeckt werden):

- Kauf zu 10,04 USD, Verkauf zu 10,00 USD. - Differenz: -0,04 USD. Verlust: -40 USD. - Beim Ausstieg (Kauf zu 20,04 USD, Verkauf zu 20,00 USD) weitere -40 USD. Gesamtkosten: -80 USD. - Tägliche Funding-Rate: +5 USD. - Rechnung: 40 USD / 5 USD = 8 Tage pro Leg. Insgesamt 15 Tage nötig, um die 80 USD Verlust reinzuholen und auf Breakeven zu kommen.

  1. Positivbeispiel (Guter Einstieg und Ausstieg):

- Verkauf zu 10,02 USD, Kauf zu 9,98 USD. - Differenz: +0,04 USD. Gewinn: +40 USD. - Ausstieg: Verkauf zu 20,04 USD, Kauf zu 20,00 USD. Differenz: +0,04 USD. Gewinn: +40 USD. - Zusätzlich tägliche Funding-Raten von +5 USD.

Orderbuch-Mechanik: Market vs. Limit Orders

Um den Spread zu kontrollieren, müssen die Orderbücher der jeweiligen Plattformen (z.B. Hyperliquid, Ondo, Extended, Variational) genau gelesen werden. Was auf der einen Plattform gekauft wird, muss dort auch wieder verkauft werden; was auf der anderen verkauft wird, muss dort zurückgekauft werden.

  1. Market Orders vermeiden:

- Klickt man auf „Market“, nimmt man als Käufer die günstigsten Verkaufsangebote (Ask) aus dem Orderbuch, bis die Ordergröße (z.B. 1.000 Token) erreicht ist. Das bedeutet oft den Kauf zu hohen Preisen über mehrere Ebenen des Orderbuchs (z.B. drei Ebenen). - Als Verkäufer nimmt man die höchsten Kaufangebote (Bid). - Eine Market Order über 1.000 Token kann eine Preisdifferenz von 1 USD pro Token verursachen, was 1.000 USD Verlust entspricht. Das widerspricht der „Buy Low, Sell High“-Strategie.

  1. Limit Orders setzen:

- Beim Verkaufen (z.B. auf Ondo) wird eine Limit Order an das obere Ende des aktuellen Orderbuchs gelegt (z.B. 20,96 USD). - Beim Kaufen (z.B. auf Extended) wird eine Limit Order an das untere Ende des Orderbuchs gelegt (z.B. 20,52 USD). - Wird die Order ausgeführt, entsteht ein positiver Spread von 0,44 USD (im Beispiel 0,43 USD). Bei 1.000 Token entspricht das einem Einstiegsgewinn von 430 bis 440 USD.

Schematische Darstellung eines Orderbuchs mit Limit-Order-Platzierung für Kauf und Verkauf

Funding-Raten verstehen und nutzen

Funding-Raten halten den Preis des Perp-Marktes am Spotmarkt. Sie schwanken.

  1. Richtung der Funding-Zahlungen:

- Ist die Funding-Rate negativ (z.B. -0,007, annualisiert -6 %), bedeutet das, dass im Markt mehr Teilnehmer Short sind. Um diese Funding-Rate zu erhalten, muss man eine Long-Position eröffnen. - Ist die Funding-Rate positiv, sind mehr Teilnehmer Long. Um die Funding-Rate zu erhalten, muss man eine Short-Position eröffnen.

  1. Drehen der Funding-Raten:

- Wenn mehr Marktteilnehmer Long gehen, dreht die Funding-Rate ins Positive. In diesem Fall kassiert man die Funding-Raten mit einer offenen Short-Position.

Sonderfälle und Rückfragen

  • Kann man Short/Long zuerst mit etwas Gewinn im Spread öffnen?

Ja, idealerweise kann man das Orderbuch genau beobachten und die Position so eröffnen. Das Orderbuch bewegt sich jedoch ständig und erfordert viel Übung.

  • Was passiert, wenn man schlecht ein- und aussteigt?

Wenn man mit einem Minus einsteigt (z.B. -0,06 USD Differenz) und die Funding-Raten ins Minus drehen, kostet die Position Geld. Es bleiben nur die gesammelten Punkte. Funding-Raten können jedoch jederzeit drehen.

  • Wie lange muss man die Position halten?

Die Haltedauer berechnet sich aus den Einstiegs-/Ausstiegskosten geteilt durch die tägliche Funding-Rate. Erst nach Ablauf dieser Breakeven-Tage arbeitet die Position rentabel.

Checkliste für die Umsetzung

  1. Orderbücher der Plattformen (z.B. Ondo, Extended, Variational, Hyperliquid) analysieren.
  2. Limit Orders für den Verkauf (teuer) und Kauf (günstig) platzieren, um „Buy Low, Sell High“ umzusetzen.
  3. Delta-neutrale Position gleichzeitig öffnen (Long und Short).
  4. Funding-Rate prüfen: Bei negativer Rate Long halten, bei positiver Rate Short halten, um die Raten zu kassieren.
  5. Tägliche Funding-Rate berechnen und Breakeven-Zeitpunkt (Kostendeckung durch Fundings) bestimmen.
  6. Position mit Limit Orders schließen, idealerweise wieder mit positivem Spread.

Häufige Stolpersteine

  • Market Orders führen zu hohen Slippage-Kosten und zerstören die Rentabilität der Position.
  • Wer den Spread ignoriert, braucht bei einem Einstieg mit 0,04 USD Nachteil 8 Tage Funding-Einnahmen pro Leg, bis Breakeven erreicht ist.
  • Öffnet man eine Short-Position bei negativer Funding-Rate, muss man die Funding-Rate zahlen, statt sie zu kassieren.

Haftungshinweis: Dies ist eine allgemeine Dokumentation der Strategie und stellt keine individuelle Anlageberatung dar.